Wechseljahre sind Wandeljahre

Vortrag im Naturkaufhaus Body & Nature Würzburg am 18. Mai 2010
von Christine Krokauer, Heilpraktikerin beschränkt auf das Gebiet der
Psychotherapie nach HPG, Familien- und Sozialberaterin (AV), Vortrag
am 3. Mai 2010-05-02
„Es kommt auf dein Ziel, deinen Horizont, deine Kräfte, deine Antriebe,
deine Irrtümer und namentlich auch die Ideale und Fantasmen deiner
Seele an, um zu bestimmen, was selbst für deinen Leib Gesundheit zu
bedeuten habe. Somit gibt es unzählige Gesundheiten des Leibes.“
Friedrich Nietzsche
Das Schönheitsideal unserer Zeit: Jung, dynamisch, erfolgreich.
Das Schreckgespenst unserer Zeit: Falten, Übergewicht, graue Haut,
miese Laune.
Die Realität?
Best Agers, 40+, 50+, Leute „In den besten Jahren“ nennt es die
Werbemaschinerie. Frauen und Männer, die beruflich gefestigt, deren
Häuser fast abbezahlt und deren Kinder ausgezogen sind, die ihr Leben
genießen und im Sommer mindestens vier Wochen auf
Kreuzfahrtschiffen verbringen, die Wochenenden zwischen Tennisplatz
und Essenseinladung bei Freunden genießen und ansonsten im Beruf
sehr gefragt sind ob ihrer Lebenserfahrung und ihrer errungenen
Weisheit des höheren Lebensalters.
Wie schaut aber der Alltag aus? Wie geht es den Frauen, denen
eingeredet wird, ihre Beschwerden in den Jahren zwischen 40 und 60,
die Depressionen, die in dieser Zeit auftreten, die Hormonumstellungen
etc. seien eine krankhafte und behandelbare Störung, den Frauen, die
das leere Nest erleben und vielleicht zugleich die Erfahrung machen,
dass ihre eigenen Eltern und Schwiegereltern zu Pflegefällen werden
und dass sie in ihrem Beruf Jüngeren Platz machen müssen, sei es nun
offen oder subtil kommuniziert?
Wie gehen Frauen um mit diesen 20 Jahren zwischen „jung und
erfolgreich“ und „alt und weise“?
Ignorieren? Gestalten? Einfach nur überleben und aushalten?
Es ist etwas anderes, ob Frauen diese Jahre als „Verlustjahre“ erleben:
Den Verlust an Fruchtbarkeit, den Verlust an funktionierenden
Eierstöcken, die Zunahme einer Krankheitsneigung oder als DIE Chance,
endlich neue Facetten der Persönlichkeit entwickeln zu dürfen, die
vorher zurückstecken mussten, weil anderes Vorrang hatte.
Wesentliche Gesichtspunkte sind das geltende Frauenbild, die Rolle, die
unsere Gesellschaft dem Älterwerden generell überlässt und die Frage
nach dem Wert und der Würde eines älteren Menschen, vor allem einer
älteren Frau, dazu der Umgang mit den Ängsten vor dem Alter, vor
Gebrechlichkeit und letztlich vor dem Tod.
Wechseljahre sind typisch weiblich in ihrer biologischen Form.
Wechseljahre erleben Frauen, die sich Urteilskraft ebenso erworben
haben wie Erfahrungen en masse in ihrem Leben. Deshalb ist es ein
Thema, dem sich Frauen widmen dürfen, denn es ist IHR Thema.
Unser Leben verläuft in Rhythmen
Alles im Leben ist einem Rhythmus unterworfen. Wechselt der
Rhythmus, geht das oft mit Lebenskrisen einher – denken Sie an die
Pubertät, die Schwangerschaften und jetzt die Wechseljahre. Diese
Zeiten sind Krisenzeiten und Krise bedeutet zugleich Wachstum als auch
Chance. Ein Einschnitt heißt, etwas Altes hat sich überlebt, es wird
gegen Neues eingetauscht, es ist Zeit für eine Neuordnung und das geht
niemals über Nacht und niemals einfach. Altes loslassen ist ein Prozess,
der gelernt, geübt und verkraftet sein will. Körperliche Veränderungen,
wie sie Pubertät und Wechseljahre mit sich bringen, bedeuten immer
auch Chaos in der Seele.
Medizinisch heißen Wechseljahre Klimakterium. „Klimax“ stammt aus
dem Griechischen und bedeutet: „Leiter, Treppe“. Die Römer haben das
Wort übernommen und „climacterius“ stand für „Wende- oder
Krisenzeit“. Damit haben wir schon sehr viel geklärt: Das Klimakterium
zeigt die Merkmale einer Krise oder Wende und bedeutet, dass wir auf
eine neue Stufe unseres Lebens klettern dürfen.
Die Wechseljahre sind eine Zeit, in der sich durch die Veränderungen
des Körpers Entwicklungsschritte ankündigen, die gegangen werden
dürfen. Im Gegensatz zur Pubertät aber umfasst das Klimakterium einen
Zeitraum von rund 15 Jahren und beginnt zwischen 42 und 49 Jahren
(das sind statistische Werte, die je nach Frau stark abweichen können!)
mit dem Abschied von der biologischen Fruchtbarkeit, bis sich Mitte der
50er Jahre ein neues Gleichgewicht im Körper eingependelt hat. Der von
vielen Frauen empfundene Verlust beinhaltet eine neue Freiheit –
endlich ist Frau nicht mehr abhängig von den Schwankungen im
körperlichen und seelischen Empfinden im Zyklus wie drei oder vier
Jahrzehnte lang!
Mit 42, wenn im Schnitt die Wechseljahre beginnen, ist die körperliche
und seelische Entwicklung des Menschen abgeschlossen. Im
Schwäbischen sagt man: „Dr Schwob wird mit 40 gscheit“. Jetzt geht es
darum, die geistigen Fähigkeiten des Menschen zu entwickeln und wer
diese Chance erkennt, nimmt nicht ausschließlich nur die negative Seite
der Wechseljahre wahr.
Reife Frauen betreten die Phase der Wechseljahre im Gegensatz zu all
den Unsicherheiten der Pubertät. Und reife Frauen bestimmen selbst,
wie sie sich weiterentwickeln. Wechseljahre sind also auch die Phase, in
der Frauen selbst-bewusst und selbst-bestimmt werden, wenn sie dass
nicht schon sind.
Abschied nehmen
Abschied kommt von abscheiden, trennen – Gemischtes trennt sich
voneinander und hat einen höheren Reinheitsgrad. Abschied bedeutet
also auch, zu größerer Klarheit durchzustoßen, mit sich ins Reine
kommen.
Mit Beginn der 40er Jahre lockert sich der weibliche Zyklus bis zur
Auflösung. Die erste Zyklusphase wird immer kürzer, der Eisprung
erfolgt früher oder gar nicht. Die Periode kommt manchmal dadurch
früher oder sie ist stärker und dauert länger, alles ist möglich, keine Frau
gleicht der anderen. Ich möchte hier nur die generellen Vorgänge
aufzeigen.
Durch den unregelmäßigen Eisprung werden in den Eierstöcken
unterschiedliche Mengen an Hormonen gebildet, entweder zu wenig
oder gar kein Gelbkörperhormon oder zu viel, zu wenig Östrogen.
Deshalb ist rein medizinisch alles denkbar: Dauerblutungen, zu seltenen
Blutungen. Gegen Ende der 40er Jahre enden die Eisprünge meist, ein
bis zwei Jahre später findet die letzte Menstruationsblutung statt und
gab es ein Jahr keine Blutung mehr, kann Frau davon ausgehen, dass die
Menstruation beendet ist. Die letzte Blutung markiert die Menopause, in
den Jahren danach ist der Körper damit beschäftigt, ein neues
hormonelles Gleichgewicht zu finden. Die Bildung der männlichen
Hormone im Körper bleibt gleich, aber Östrogen wird weniger
hergestellt.
Hormone beeinflussen alles, was im Körper vor sich geht. Östrogene
wirken beim Knochenaufbau mit, schützen vor Gefäßverkalkung, sorgen
dafür, dass die Herzkranzgefäße nicht verengen und schützen so vor
Herzinfarkt und Schlaganfall. Cholesterinwerte können ansteigen, wenn
die Östrogene nachlassen. Östrogene sind überall im Körper, wo es um
Aufbau geht. Allerdings ist der Umkehrschluss fatal, dass die Zufuhr von
Östrogenen genügt, um Osteoporose, Alzheimer und Herzinfarkt
vorzubeugen.
Die Fruchtbarkeit einer Frau mit 45 Jahren beträgt nur noch ein bis zwei
Prozent, aber nicht wenige Frauen werden in diesem Alter noch einmal
schwanger, weil sie annehmen, sie hätten keinen Eisprung mehr.
Besteht noch ein später Kinderwunsch, ist die nachlassende
Fruchtbarkeit ein Problem. Sich nicht mehr für ein Kind entscheiden zu
können, weil die Phase vorbei ist, kann eine mächtige Krise
heraufbeschwören, wenn damit Lebensziele noch nicht erreicht wurden.
Frauen mit abgeschlossener Familienplanung hingegen wissen, dass sei
bald frei von der Last der Verhütung leben können und Sexualität eine
neue Qualität gewinnt. Körperliche Veränderungen, oft gepaart mit
existenziellen Fragen, können zu Verwirrung führen, zur Ablehnung von
Zärtlichkeiten. Wer nachts kaum mehr schläft, sich zig Mal umziehen
muss, fühlt sich nicht wirklich attraktiv und sexuell anziehend. Hier hilft
das Wissen, dass diese Phase der körperlichen Erscheinungen
vorübergeht und sehr viele Frauen kaum oder wenig Probleme dieser Art
haben. Die Verbindung zwischen Sexualität und Fruchtbarkeit löst sich
auf, ein neues Erleben muss sich erst einspielen. Wichtig ist hier das
offene Gespräch der Partner, denn auch die Herren der Schöpfung
erleben Phasen, in denen sie nachlassende Fähigkeiten feststellen
müssen. Humor und spielerischer Umgang ist die beste Richtschnur und
– Ausprobieren, was gemeinsam gut tut, was miteinander Freude macht.
Wer Beschwerden mit trockener Scheide hat – es gibt genug
Möglichkeiten, Einreibungen mit Weizenkeimöl, Nachtkerzenöl zur
inneren Anwendung, Majorangel und vieles mehr sind Hilfen,
Ansprechpartner hier ist auch der Frauenarzt, den Sie bei Schmerzen
oder Juckreiz ohnehin aufsuchen sollten.
Ich bin eigentlich ganz anders!
„Erschöpft, müde, dauergereizt. Depressive Gefühle, Weinerlichkeit,
Wutanfälle. – Das bin nicht ich!“ Solche Sätze sind häufig in diesen
Jahren zu hören. Der bisherige Lebensalltag wird zum Stress, was man
bisher mit links geleistet hat, wird mühsam, wir werden widerborstig
und bocken, warum schon wieder Fenster putzen, wenn es ohnehin
dauernd regnet?
Dieser Widerstand macht klar: Hier will Altes nicht mehr gelebt sein,
Neues ist gefragt. Nur – Neues bedeutet auch Ängste, bedeutet
Anstrengung und vor allem – wo soll’s denn hingehen?
Der Alltag bleibt gleich, die Anforderungen in Beruf und Familie auch,
dieser „Umwelt“ ist es egal, wie sich Frau fühlt und so reagiert die
Umgebung oft recht genervt, wenn Frau sagt: „Mir langt es jetzt. Ich
mach nicht mehr mit!“
Wenn Frau diese Stufe erreicht hat, ist das schon ein gewaltiges Stück
Arbeit, das geleistet wurde! Es ist Zeit, ein großes Fest, Sie selbst zu
feiern! Sie haben die besten Voraussetzungen erreicht, sich im Neuen zu
bewegen – jetzt geht es darum, dem nachzuspüren, was Sie nervt, was
Sie auf die Palme bringt und was Sie ganz sicher nicht mehr wollen.
Warum sind Sie aggressiv und müde, erschöpft und fühlen sich
angegriffen?
Wäre Veränderung nicht notwendig, wären Sie munter wie ein Fisch im
Wasser. Ist alles paletti, schreit nichts in Ihnen nach „Veränderung“.
Wenn Sie sich selbst nicht mehr kennen, wird es Zeit für eine Reise zu
der einzigen Person, mit der Sie ihr gesamtes Leben verbringen – zu sich
selbst. Wer sich nicht freiwillig auf die Reise begibt, wird förmlich
gezwungen. Aller Überlegenheit des Geistes zum Trotz ist es unser
Körper, der uns meistens wesentlich massiver zwingt, das Leben neu zu
denken und zu entwerfen.
Wechseljahre sind sicher keine Krankheit!
Was gesund und was krank ist, ist individuell. Ein kleiner Schnitt im
Finger ist für manchen eine Minisache, andere jammern tagelang. Sich
krank zu fühlen ist eine Frage der persönlichen Wahrnehmung von
Körpervorgängen. Fühlen Sie sich krank, suchen Sie Ihren Arzt auf. Sie
müssen in diesen Jahren nicht zur Märtyrerin werden, aber Sie dürfen
Ihre Lebensklugheit einsetzen und vor allem – Ihren erfahrenen Kopf.
Lassen Sie sich beraten und spüren Sie ab, was IHR Weg ist. Generell
sind Wechseljahre keine Krankheit, sondern eine Phase des Umbruchs,
die nicht störungsfrei verlaufen muss, aber kann.
Lassen die Hormone allmählich nach, ist das für den Körper weniger
belastend als massive Schwankun-gen. Viele der typischen Symptome
treten in den letzten zwei Jahren vor der Menopause auf, wenn die
Hormonspiegel heftig schwanken. Zwei bis fünf Jahre geht das Auf und
Ab.
Hitzewallungen sind häufig, bis zu 20 Mal am Tag sind keine
Seltenheit. Sie sind Kennzeichen massiver Hormonschwankungen, das
Gehirn bekommt den Impuls „Massive Überhitzung“ und drum kühlt der
Körper. Bedenken Sie, welche Energien hier freiwerden! Überlegen Sie
mal, welche Energien Ihnen zur Verfügung stehen, wenn diese
Wallungen vorüber sind! Das ist ein Grund zur Vorfreude.
Hilfreich sind die üblichen Methoden: Zwiebellook, kein Kaffee, Tee,
Alkohol, Rauchen ist ein No Go, ernähren Sie sich abwechslungsreich
und verzichten Sie auf „heiße Gewürze“. Wer Sport treibt, hat weniger
Probleme. Hitzewallungen treten stärker in Stressphasen auf – der
Körper schreit nach Erholung und Entspannung. Spüren Sie ab, was
Ihnen gut tut – ein Spaziergang am Abend? Mehr Pausen? Yoga und
Meditation? Probieren Sie aus, was Ihr Geheimrezept ist. Ein Gang zum
Arzt ist angesagt, wenn Sie durch das nächtliche Aufstehen hochgradig
erschöpft sind, Sie abnehmen, zittern oder Herzklopfen haben.
Herz-Kreislauf-Probleme sind häufig, die Ursachen liegen ebenfalls in
den Hormonschwankungen. Hier ist ein Gang zum Arzt unerlässlich,
damit keine anderen Ursachen vorliegen. Bedenken Sie: Das Herz ist
unsere rhythmische Mitte. Die Hormonschwankungen sind Störungen in
unserem Rhythmussystem. Ist unser Hormonsystem in Wallung, wirkt
sich da auch auf unser Ausgleichsorgan Herz aus. Vermeiden Sie zu viel
Stress, legen Sie sich hin, atmen Sie ruhig und gleichmäßig. Kaffee und
Nikotin sind nicht angesagt. Tritt das Herzklopfen nachts auf, machen
Sie einen Versuch mit verdünntem Grapefruitsaft an Ihrem Bett, wenn
der Arzt andere Ursachen ausgeschlossen hat. Spüren Sie Druck im Kopf,
schwankt der Blutdruck stark, treten Oberbauchschmerzen auf, werden
Arme und Beine taub, ist Ihnen oft schwindlig oder übel, muss der Arzt
untersuchen. Lieber einmal zu viel nachgeschaut als zu wenig.
Schlafstörungen sind ebenfalls häufig, auch hier geht es um den
Rhythmus. Der Rhythmus von Tag und Nacht ist der „Chef“ unserer
Rhythmen. Schlafen wir schlecht, haben wir Sorge, den Tag mit seinen
Anforderungen nicht zu bewältigen. Wir schlafen rasch ein, wachen
aber zig Mal auf, durchgeschwitzt oder durch den unruhigen Schlaf. Am
Morgen sind wir müde, erschöpft sogar, gereizt.
Haben Sie Angst, dass Sie nach einer schlechten Nacht den Tag nicht
wuppen? Ja? Ist es nicht unglaublich, wie wenig unsere körperlichen
Bedürfnisse, unsere Lebensweise und das äußere Leben
übereinstimmen? Versuchen Sie, in diesen Jahren die äußeren
Bedingungen zu verändern. Machen Sie sich bewusst, dass Ihre Kräfte
nicht unendlich sind. Legen Sie feste und sinnlos gewordene Rituale ab,
schütteln Sie Zwänge der täglichen Routine ab. Prüfen Sie: Was MUSS
sein und wo kann ich getrost Fünfe gerade sein lassen? Wechseljahre
sind perfekt zum Erüben einer neuen Leichtigkeit des Seins, der Körper
sendet deutliche Signale. Wann immer Sie sich komplett überfordert
fühlen – ziehen Sie sich zurück, und wenn es nur fünf Minuten sind.
Trinken Sie in Ruhe ein Glas Wasser, wandern Sie innerlich an Ihren Ort
der Kraft, atmen Sie durch, fühlen Sie die Verbundenheit mit dem Boden
und denken Sie daran – Sie dürfen Sie selbst sein. Sie müssen weder
funktionieren noch perfekt sein. Es ist alles gut, wie es ist.
Meiden Sie unbedingt den Griff zur Schlaftablette. Probieren Sie
Alternativen aus. Ein Einschlafritual kann darin bestehen, den Tag ruhig
ausklingen zu lassen. Glotze aus, spazieren gehen. Lesen Sie, hören Sie
Ihre Lieblingsmusik. Essen Sie rechtzeitig zu Abend, lassen Sie
abendliche Rohkost weg, das führt oft zu Gärung. Kaffee und schwarzer
oder grüner Tee gehören nicht in den Abend. Schlaftees sind Hopfen,
Melisse, Lavendel, Baldrian.
Blutungsstörungen: Frauenarzt! Schreiben Sie Ihre Blutungen auf, das
sind wichtige Anhaltspunkte für den Arzt. Blutungen werden durch
Überanstrengung und Erschöpfung oft stärker – fahren Sie runter, was
geht! Achten Sie auf Eisenmangel bei zu starken Blutungen.
Gelenkschmerzen sind ein häufiges Symptom, viele Frauen denken
sofort an Rheuma. Typisch für die Wechseljahre sind wechselnde
Beschwerden in diversen Gelenken, Ursache ist auch hier die
Hormonschwankung. Keine Panik, das wäre Osteoporose. Diese verläuft
lange Jahre ohne Symptome! Wer Gelenkbeschwerden hat, sollte sich
regelmäßig bewegen (ist die beste Vorbeugung, auch gegen
Osteoporose). Schwimmen ist immer gut. Einreibungen mit Arnika
probieren oder Johanniskrautöl, Vorsicht danach bei Sonne!
Birkenblättertee lindert die Schmerzen oft. Experimentieren Sie mit der
Ernährung! Weißer Zucker, weißes Mehl, massenhaft
Konservierungsstoffe sind nicht mehr Ihre Nahrung. Lassen Sie
versuchsweise Nachtschattengewächse und Zitrusfrüchte weg. Tai Chi,
Chi Gong, Heileurythmie können helfen, wenn der Arzt organische
Ursachen ausgeschlossen hat. Treten Knoten, heiße, rote, geschwollene
Gelenke oder Einschränkungen in der Bewegung auf – Arzt!
Wohlfühlen mit Haut und Haar: Das ist in den Wechseljahren immer
wieder Thema. Haarausfall, Faltenbildung, Katastrophenalarm! Da muss
der Chirurg ran, hier mal straffen, da mal spritzen, immer schön
jugendlich bleiben! Fragen Sie sich dann: Warum will ich jünger
aussehen?
Die Haut wird sich verändern, die Fähigkeit, Feuchtigkeit zu speichern,
lässt immer mehr nach. Die Haarbälge auf dem Kopf werden kleiner und
nehmen ab, das gilt auch für die Schambehaarung. Dafür wächst der
Damenbart oder es sprießt die Akne. Häufig haben wir Akneprobleme
dann, wenn frühzeitig die Pille genommen wurde. Durch das Absetzen
scheint es, als steige der Körper dort wieder ein, wo er aufgehört hat.
Hier hilft nur Eines – durchhalten, sanft pflegen und eine gute
Naturkosmetikerin aufsuchen. Schönheit ist keine Frage von faltenfreier
Haut oder dunklem Haar. Schönheit bedeutet Charisma haben,
Ausstrahlung, Esprit, sie ist eine Frage der inneren Haltung, des
Selbstbewusstseins. Wer sich mag, ist schön. Wer in sich ruht, ist schön.
Wer sich seiner selbst bewusst ist, ist schön. Sie sind schön!
Sollte Juckreiz auftreten, der vor allem im Bereich der Schamlippen
quälend sein kann, hilft mehr Flüssigkeit, viel Bewegung, Sitzbäder in
Beinwell- oder Brennnesselblättern, Salben (Calendula, Beinwell,
Majoran Vaginalgel etc.), mehr Vitamin E. Arztbesuch ist angesagt,
wenn der Haarausfall extrem wird, starker Zunahme von Leberflecken,
Warzen, Knoten, Verhärtungen in der Haut, Brennen beim Wasserlassen,
Harndrang, ungewollter Harnabgang.
Gewichtszunahme: 5 Kilo Zunahme sind normal. Das macht
körpertechnisch gesehen viel Sinn, denn Fettgewebe bildet ein Östrogen
und das hilft, die verringerte Östrogenmenge der Eierstöcke
abzumildern. Das Gewicht ist nicht nur eine optische Frage, sondern
Blutzucker, Bluthochdruck sind oft die Folge. Denken Sie eine
Umstellung der Ernährung jetzt an. Weil SIE es sich wert sind.
Ein Arztbesuch ist notwendig, wenn Schwellungen oder
Wassereinlagerungen an den Augenlidern oder Unterschenkeln
auftreten oder wenn das Gewicht stark schwankt.
Ängste treten in den Wechseljahren verstärkt auf. Krebsangst, Angst vor
ernsthaften körperlichen Krankheiten, Angst vor Beckenbodenschwäche,
mangelndes Selbstwertgefühl durch die massiven
Stimmungsschwankungen. Wichtig ist, dass Sie diese Ängste ernst
nehmen und zwar im Sinne von: „Ich möchte noch viel erreichen“ –
dann sind sie Wachstumsmotor und helfen Ihnen, mit Schwung und
Energie neue Projekte in Angriff zu nehmen, weil Sie wissen, dass Leben
nicht unendlich lange dauert und dass jetzt der beste Moment ist, das
zu tun, was Sie schon immer tun wollten. Wann, wenn nicht jetzt?
Achten Sie die Ängste, aber lassen Sie sich nicht von ihnen bezwingen.
Nehmen Sie sich Zeit, Ihre Ängste aufzuschreiben und sich zu fragen:
Warum habe ich diese Angst? Sie können auch Coaching in Anspruch
nehmen und überlegen – was sagen mir meine Fragen? Wo stecken
noch ungelöste Probleme, die ich nicht mitnehmen will in den nächsten
Lebensabschnitt? Wo ist mein Entwicklungspotential? Damit beugen Sie
nicht nur Ängsten und Depressionen vor, sondern Sie ergreifen Ihre
persönliche Entwicklung und sind klug genug, sich in Frage zu stellen,
zu reflektieren und zu probieren, wo es jetzt weitergeht für Sie.
Wechseljahre sind Zeiten intensiver Gefühlsumstürze. Das braucht Mut,
sich diesem Chaos zu stellen. Unsere Gesellschaft trimmt uns, allzeit
lächelnd jede Arbeit zu erledigen. Das kann ein Problem sein in diesen
Jahren. Fragen Sie sich, was SIE sich wert sind. Was IHRE Ziele, IHRE
Wünsche sind. Schaffen Sie sich den Raum, den Sie brauchen. Nehmen
Sie sich den Raum, den Sie brauchen. Wer, wenn nicht Sie selbst sollte
das können?
Gehen Sie an die frische Luft und in die Sonne, wann immer Sie können.
Tanzen Sie, gönnen Sie sich Massagen – Wut und Ärger schwinden so
schneller. Zink, Vitamin B und genug Zeit zum Ausruhen können
ebenfalls helfen, mit Stimmungsschwankungen klarzukommen. Arzt:
Immer dann, wenn Sie das Gefühl haben, Ihre Lebensfreude ist nicht
mehr vorhanden, Sie können am Morgen kaum mehr aufstehen, sich zu
nichts mehr aufraffen, der Appetit verschwindet – dann ist der Besuch
beim Arzt angesagt, um eine krankheitswertige Depression
auszuschließen, die behandelbar ist.
Wo geht’s lang?
Die Wechseljahre sind die Jahre, in denen Frauen die Weichen im Leben
noch einmal neu stellen. Die Kinder sind aus dem Haus und die Energie,
die sie in diesen Bereich gesteckt haben, steht ihnen zur Verfügung. Nun
braucht der Körper viel Kraft für die Umstellung, doch bedenken Sie:
Diese Kraft haben Sie und wenn der Körper die Umstellung geschafft
hat, haben Sie diese Energien vollkommen für sich. Wechseljahre sind
Wandeljahre, wir wandeln uns seelisch, geistig und leiblich. Dazu
brauchen wir Energie und die holen wir uns über die Nahrung.
Überlegen Sie, was Sie essen. Soll es Sie satt machen oder Kräfte
freisetzen? „Lasst eure Nahrung so natürlich wie möglich“, dieser
Grundsatz gilt jetzt erst recht. Achten Sie auf hervorragende Qualität,
Sie brauchen außer bei wirklichen Mangelzuständen, die der Arzt
feststellt, keine künstlichen Zusätze. Konservierungsstoffe erhalten ganz
sicher nicht Jugend und Elastizität Ihrer Haut. Essen hat mit
Kommunikation zu tun – Essen soll Spaß machen. Lernen Sie diese
Freude kennen. Beginnen Sie, wertzuschätzen, was Sie ernährt. Tanken
Sie Super, wenn Sie noch weit fahren wollen.
Frische Luft ist sehr wichtig. Jede Zelle braucht Sauerstoff, um freie
Radikale abzuwehren. Nutzen Sie jede Gelegenheit, sich draußen an der
Luft aufzuhalten. Bewegung an der frischen Luft ist die beste Waffe
gegen Hautalterung.
Wer sich nicht körperlich bewegt, wird auch im Kopf unbeweglich.
Einseitige Ernährung, Fehlbelastung durch Sitzberufe etc. sorgen dafür,
dass wir anfälliger für viele Krankheiten werden. Wenn wir schon im
Beruf zu solchem Unfug gezwungen sein sollten – nutzen Sie die
Freizeit zur Bewegung. Wer das alleine Sporteln hasst – gehen Sie mit
Freundinnen los. Ab ins Fitnessstudio, ins Schwimmbad, zum
Beckenbodentraining, Tai Chi oder Yoga. Bewegung ist für jedes Alter
lebenswichtig und Ihr Körper dankt es Ihnen. Selbst wenn Sie die letzten
Jahrzehnte nie Sport betrieben haben – fangen Sie in IHREM Tempo an,
aber fangen Sie an.
Probieren Sie aus, was Sie im Künstlerischen interessiert, belegen Sie
Malkurse, töpfern Sie oder arbeiten Sie sich an einem Marmorblock ab.
Lernen Sie auch Ihre künstlerischen Seiten kennen, alles, was Freude in
Ihr Herz bringt, macht Sie stark, gelassen und ausgeglichen. Darauf
kommt es doch an, oder?
Ist Ihr Leben nur noch Chaos? Biographiearbeit kann helfen, den roten
Faden wieder zu finden. Einzelgespräche in der Therapie geben Kraft
und Mut, um wieder alleine weiterzugehen auf dem individuellen Weg.
Finden Sie Ihre Kraftquellen, entdecken Sie Ihre wahren inneren Schätze
und lernen Sie, diese zu nutzen.
Wechseljahre sind keine Krankheit. Wir sind Menschen, die aus mehr
bestehen als einem geregelten Hormonsystem. Wie sind ein
Wunderwerk der Schöpfung und der Körper ist ein hervorragender
Lehrer. „Schlägt“ er Sie mit Erschöpfung, sollten Sie nachdenken, ob er
nicht vielleicht ein bisschen Recht hat? Fühlen Sie sich uralt, nicht mehr
gebraucht, auf dem absteigenden Ast? Prima! Dann sind Sie endlich
bereit, sich auf die Reise zu machen nach dem, was jetzt Ihr Leben reich,
schön und spannend macht.
Beschwerden in diesen Jahren sind meistens Ungleichgewichte. Der Arzt
kann helfen, wenn das Ungleichgewicht massiv schiefhängt, aber der
Körper wird mit vielem auch sehr gut fertig. Suchen Sie den Dialog mit
einem ärztlichen Begleiter, der auf Ihrer Wellenlänge liegt. Es geht nicht
um „Reparatur“, um Hormonersatz oder Facelifting. Wechseljahre
bedeuten, sich aufzumachen in den nächsten Lebensabschnitt, in dem
Sie viele Freiheiten erwarten und Sie das leben dürfen, was individuell in
Ihnen verborgen liegt. Lernen Sie das Wort „Nein“ kennen und üben Sie
sich darin. Gerade in Zeiten der Erschöpfung und des Unwohlseins
steckt ein wahrer Wunderkeim im „Nein“.
Homöopathie, Phytotherapie und andere Naturheilverfahren wie
Kneippmedizin, Ayurveda, Traditionelle chinesische, anthroposophische
Medizin etc. sind gute Ansätze, mit denen Sie sich helfen können ohne
chemische Keule. Sie können auch schulmedizinische Behandlungen
ergänzen.
In den nächsten Jahren werden Sie ein turbulentes Auf und Ab erleben.
Machen Sie sich auf eine spannende Reise gefasst. Und seien Sie guten
Mutes. Sie sind nicht krank, Sie häuten sich und das kann nicht nur
schmerzfrei sein. Haben Sie den Mut, zu sich selbst zu stehen mit allen
Schwächen, Weinerlichleiten und Gereiztheiten dieser Zeit. Sie entwickeln
sich. Sie betreten Neuland. Fangen Sie an, sich selbst
wertzuschätzen, wahrzunehmen, Ihre Bedürfnisse zu erspüren und in
sich hineinzulauschen in diesen wilden Zeiten – wer bin ich? Und wer
wartet in mir darauf, ans Licht zu treten und sich zu entfalten?

Wechseljahre sind eine Geburt in die zweite Lebenshälfte. Ist das nicht
großartig?